Gedichte von Menga Juon

Gehen

Sturmbewegtes Gehen
durch die Gärten so vieler Leben
Verharren in Wüsten bis endlich Wasser fliesst
Wachstum sich zu Leben vertieft
Alles im Wandel spriesst, dann zerfliesst

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Cette tension qui s’écoule
Délaisse la vulnérabilité de son ardeur
Puis dépose un calme translucide

De la lumière afflue sous les fenêtres de ses nuits indécises
Décante les tendons de son esprit
Accordant un futur aux pensées qui crient

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Opuntie

Wenn ich dich anfasse Opuntie
erkunde ich nicht den Schein der Form
Berühre ich dich
gleiten meine Finger nicht über irgendeine Norm
Komme ich zu dir
trage ich unter den Kleidern nichts
weder Gedankenbilder noch Offenbarungsängste
Öffne ich mich dir
dann ist es um dich zu empfangen
dich und keinen Grössenwahn
keine selbstgemeisselte Skulptur
Du hast mich berührt
deine Sinnlichkeit spricht mit mir
unter deinem Gewicht ergeb ich mich
vereine mit deinem Atem mich
Du sollst zu mir gelangen
nach deinem Verlangen
am Ufer meines Kerns
das Wasser des Orakels sehen
Bist du allein
in mir
Opuntie aus dem Hier
dann erkenn ich dich
tief in mir

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Esquivée par l’incontournable
Elle vit la fragilité de son rougeoiement
Subit le trépas des glissements
Puis remonte les racines de ses moissons
Pour entendre l’essoufflement
Tente enfin la libation des derniers sentiments

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Sein

Ganz hier, mit dir
Um mich, im Licht
Zu dir, für dich
Ich im Mich

Nichts wollen oder sollen
Kein Bangen noch Verlangen
Ohne Erwarten und Verraten
Bloss eins, mit dir allein

Hören deine Stimme
Aufnehmen ihre Klänge
Weit hinein horchen in ihre Gesänge
Berühren das Verlangen ihrer Sinne

Sein
Dort, mit dir zu zwein
Geführt von ihm, mit ihm vereint
Zu zweit in ihm, allein
Ganz im Sein

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Leurs vues étendues sous les plies de ses draperies
Des voix d’hommes cueillent des véroniques
Qui exhalent leur virilité resurgie
Dans la nuit de ses cantiques

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Tiefe des Spiels

Schönheit benennen im Alternden
im sich immer mehr Faltenden
Zärtlichkeit erbitten von der Lust
auf der errungenen Brust

Tiefe des Spiels
auf den Stufen des rufenden Ziels

Länge des Vergänglichen
in der Mehrstimmigkeit des Endlichen
Ausgraben die Strassen der Ewigkeit
im lachenden Moment der Zeit

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J`ai traversé cent déserts
pour arriver au jardin de tes yeux
Je suis montée dans mille cieux
avant d`apercevoir ta lueur inapaisée

La nuit était ivre de mes lamentations
quand soudain ta voix faisait trembler mes temps
L`éclair de ta présence éveillait mes sens
qui somnolaient au lit de paresse d`ici

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Tropfen immer mehr

Ein Tropfen fiel auf eine Hand
seufzte erstaunt und rann
schwärmerisch in seinem Wahn
bis er bei ihr zur Ruhe kam

Tropfen immer mehr
geboren aus seinem Meer
hinterlassen Spuren auf ihren Sehnen
die sich erregt dehnen

Stürmische Tropfen
träumerisch verweilend
verirren sich so sehr
auf den Linien ihres Beckens liegen sie nunmehr

Weise Tropfen
glücklich versickernd
in sich öffnenden Logen
Niemand sieht sie mehr

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La nuit, vers le matin
toute molle est sa chair dormante
et si éveillé son esprit voyageur
qui tente de s`arracher

Il veut la joindre dans son lit
le messager du bout du monde au coin de la rue
Juste une petite fugue a-t-il promis
à ce corps languissant sa venue

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Die Seerose

Eine weitgereiste Seerose
kraftvoll in ihrem Wellenschlag
schwimmt über einen vergangenen Tag
der festklebt in der Trübnis der verlorenen Prosa

Gelangweilt hinter den Pforten des Zerberus
schaut er hoch zu den sonnenausgerichteten Blättern
die ihn ermutigen aufzutauchen
aus dem Moor seiner Unwetter
zu werden der Vater seiner Sterne
die warten auf eine grüne Ferne

Neugierig küsst er die Krone
der Königin der fliessenden Gewässer
legt sich kurz in ihren Strom
der ihn entreisst der Alltagsfron

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Un brin de folie
Fait raisonner les perceptions
Quelques déchirements qui régénèrent l’humilité
Et démentent l’orgueil trop éloquent
Une petite brise dans les méandres de l’ébriété
Evente toute fertilité

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Leben

Kommen, gehen, bestehen
Sehen und verstehen
Im sich im Kreis vergehenden Leben
Geruht sich seinem Wahn ergeben

Vergeben im Leben
Leben im Vergeben
Geben und sich erheben
In ab- und aufsteigenden Wegen

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Souvenirs de voix

Souvenirs de voix
enveloppés par leurs cheveux longs 
ondulés comme leurs saisons
sur les rives que personne ne perçoit

Songes sonores, aimés par leurs corps
frappant aux portes ouvertes encore
malgré l`écoulement des heures en perte
toujours ardents au fond d`une amphore

A toi, éclat ferme au cœur d`un Danton
faisant sur scène ta révolution
debout devant le retable des voluptés éveillées
de ta Madeleine métamorphosée

Ô timbre chaud de l`adieu
quand rechanteras-tu les musiques errantes des mystères
dans les temples qui ont perdu leurs vierges
en creusant les berges de leur terre

Qui appellera les cris
des plus beaux airs sauvages
des désirs de tout âge
présages révélés sur le sommet de leur quête

Offrande de voix prometteuses
récitée par l`aveu d`un amour déserté
libre et transparent
sur l`épi de leurs étés

Voix nues
entendues dans le bassin d'un jet d`eau
interdit aux lunes ocres
hantant les spectres de leurs nuits

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Löwin

Hell ist das Fell
der am Wegesrand gähnenden Löwin
die ihre Brüste in Res Augen sonnt

Feurig wartet ihr Herz
in der Magie ihres Körpers
auf die Erschaffung einer neuen Welt

Wer zog an ihrer Mähne
missachtete ihren goldenen Schwanz
und vergass das Begiessen der Erde ihrer Domäne

Sie wird ihr Haupt erheben
stolz durch die Wildnis ziehen
und vertraut sich vor ihr auf den Rücken legen

 

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